Der Medienrummel um Daniel Küblböck

Bild: Wikimops / Wikimedia

Alle Medien berichten umfassend («Wurde der Schauspieler gemobbt?») – und sind bestens informiert («Plante Daniel Küblböck einen Neuanfang als Frau?») – und spekulieren über die Ursache eines möglichen Suizid. Das ist – finde ich – unfair.

Zitiert wird von den Medien Ex‐Freund Robin: «Heute ist eine Welt zusammengebrochen. Ich kann und möchte es einfach nicht wahrhaben. Es ist, als wäre man in einem Alptraum gefangen.» Und auch «Ziehvater» Dieter Bohlen macht mit: «Ich kenne Daniel ja von früher und muss dazu natürlich sagen, er war auf der einen Seite ein lustiges Kerlchen. Aber wenn er bei mir zu Hause war, gab es eben auch das totale krasse Gegenteil. Er konnte unheimlich traurig und unheimlich depressiv sein.»

Auch die sexuelle Orientierung wird wichtiges Thema. Zuerst outete sich Daniel Küblböck offenbar «zaghaft als bisexuell», später wurde er deutlicher: sein Herz schlage mehr «für Jungs» … Und die sogenannten Qualitätsmedien nennen am Schluss ihrer Artikel pflichtbewusst Kontaktadressen, wo sich Menschen mit Suizidgedanken melden können.

Aufgeschreckt hatte die Medien eine Mitteilung auf der Website von AIDA Kreuzfahrten, die vorerst sachlich von einer «intensiven Suche nach einer vermissten Person» berichtete, die von Bord des Kreuzfahrtschiff AIDAluna gesprungen sei. Und dann folgte der Satz, der den Medienrummel wohl auslöste: «Bei der vermissten Person handelt es sich um Daniel Kaiser‐Küblböck».

Ich finde es äusserst unprofessionell, dass AIDA Kreuzfahrten den Namen ihres prominenten Passagiers veröffentlichte. Und der Medienrummel ist unsensibel: Wir waren auf der Kreuzfahrt nicht dabei und kennen Daniel Küblböck nicht. Also lassen wir ihn doch in Ruhe …

Und gerne zitiere ich an dieser Stelle blu.fm:

Es ist so leicht, jemanden zu belächeln. Es ist schwerer, jemanden ernst zunehmen. Ihm zuzuhören im eigenen, stressigen Alltag. Das zu sehen, was hinter dem Lächeln ist, hinter dem Leisen, hinter dem Lauten. Wir müssen mehr Rücksicht aufeinander nehmen, wir müssen netter zueinander sein. Als Community, als Menschen. Für die, die anders sind und für die, die anders gleich sind.

An dieser Stelle weise ich auf ein wichtiges Hilfs‐ und Beratungsangebot in der Schweiz hin, das nicht nur, aber insbesondere auch in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung bietet: LGBT+ Helpline