Die Nacht der Nächte

Die Verleihung des «Rosaroten Adrians»: Von schwule Helden, lesbischen Heldinnen und «härzigen» Pärchen.

10. Januar 2004: Die Verleihung des «Rosaroten Adrians» war ausverkauft. Mit etwas Verspätung eröffneten Xavier und Jules, die durch den Abend führten, die mit Spannung erwartete Verleihung.

Es war der zweite «Adrian», der da durchgeführt wurde – und die Spannung, wer nun in welcher Kategorie schlussendlich gewinnt, war damals gross. Zum «schwulen Helden» gewählt wurde Andreas Blum für sein Engagement bei GAYRADIO, «lesbische Heldin» wurde Ursula Winterhalter für ihre Tanzkurse. Zum «herzigsten Pärchen» wurden Urs Wittwer und Alain Bühler gekürt. Die «beliebteste Party» war damals «True Colors» im Gaskessel. Und für «besonderes Engagement» wurde Bastian Baumann ausgezeichnet.

Gewinner mit Blumenstrauss: Andreas Blum.

Die Sieger*innen erhielten einen Pokal, einen Blumenstrauss und einen Gutschein für ein feines Essen. Aufgelockert wurde die Preisverleihung durch Nina Dimitri, Signorino TJ und den «Starbugs».

Und Alain Bühler wünschte sich im HABinfo vom März 2004 für zukünftige «Rosarote Adrians» noch mehr Glamour, eine noch aufwändigere Deko, etwas weniger Ernsthaftigkeit und mehr Trash …

This Aebi schrieb – in der gleichen Ausgabe des HABinfo – kritischere Töne: «So viel hysterisches Gekreische tut schon fast weh». Die Show hätte jeder billigen TV‐Show Ehre gemacht. «Ist unsere Welt wirklich so platt und so extrem bünzlig?», fragte er ernsthaft. Er sei zudem noch nie an einem schwullesbischen Fest gewesen, «wo es so viele Männer in Schale und Frauen im Abendkleid hatte». Es sei schlimmer gewesen, als jedes hetero Happening: «Wo sind sie alle die Schwestern, die sich nicht an die von den Heteros aufgezwungen Normen halten wollen?».

Ich selber berichtete im GAYRADIO damals ziemlich euphorisch. Die Freude, dass Andy Blum mit seinem Radio‐Projekt einen Preis gewonnen hat, überwiegte damals. Heute stelle ich mir aber tatsächlich die Frage, ob es wirklich unser Ziel ist, «stinknormaler» als die heteronormierte Welt zu sein …