Am Mikrofon isch gsi …

Nach rund 15 Jahren Engagement für GAYRADIO wird es Zeit, mich auf Ende Jahr vom Mikrofon zu verabschieden. Ich habe in diesen Jahren schätzungsweise 400 bis 500 Sendungen moderiert. Dabei war mir immer wichtig, dass in meinen Sendungen Menschen im Mittelpunkt stehen. So habe ich viele verschiedene Meinungen, Auffassungen, Einstellungen und Lebensformen kennengelernt – und auch viele Freund*innen gefunden.

Das GAYRADIO‐Team der ersten Stunde: Andreas Blum und ich auf einem Foto von Peter Wäch.

Dass sich in den letzten 15 Jahren viel verändert hat, zeigt beispielsweise, dass in dieser Zeit bei Pink Cross sechsmal die Geschäftsleitung gewechselt hat. Zudem wurde zweimal an der Urne wichtiges entschieden: 2005 wurde das Partnerschaftsgesetz angenommen und 2016 wurde die CVP‐Ehe‐Initiative abgelehnt und so verhindert, dass in der Bundesverfassung die Ehe als eine Verbindung von Mann und Frau definiert wird. Und die Petition «Familienchancen» (2010) wurde eingereicht. 2014 wurde an einer grossen Kundgebung in Bern die «Ehe für alle» eingefordert. In den vergangenen 15 Jahren wurden die Vereine «Wankdorf Junxx», «Pink Cop», «Regenbogenfamilien» und «TGNS» gegründet. Und Bernhard Pulver wurde als erster offen schwuler Exekutivpolitiker in den Berner Regierungsrat gewählt.

Wenn man bedenkt, dass du länger im Dienst bist als Angela Merkel und auch so einige Stürme erleben durftest, Veränderungen initiieren, mit begleiten, neu denken, hinschauen, zuhören, aushalten, trösten und Zuversicht geben, dann macht das Sinn, dass auch mal genug ist.

Christoph Matti via Mail

Die Idee für die Sendung GAYRADIO auf Radio RaBe hatte der viel zu früh verstorbene Andreas Blum. Er strahlte seine erste Sendung im November 2003 aus. Ich baute die erste GAYRADIO‐Website und trug einzelne Beiträge zum Programm bei. Die erste «eigene» zweistündige Sendung strahlte ich dann im August 2004 aus, Thema war die «sogenannte Gay Community». 2008 übernahm ich von Andreas Blum die Sendeleitung.

was hani wele säge … vill eigentli! merci fürs gay‐radio!! hat mich quasi durch mein coming‐out begleitet … die stimme meines coming‐outs quasi … und ich habe mich bei meinen eltern auch geoutet, während einer sendung… es hat mir einfach mehr mut gemacht als alles andere.

Hörer S. via Facebook

Mit der Sendung vom 9. Dezember werde ich mit der Gewissheit vom Mikrofon verabschieden, dass es GAYRADIO als Bühne und Sprachrohr für unsere vielfältige Community weiterhin geben wird. Ich bedanke mich bei all den vielen Gästen für die grossartigen und offenen Gespräche – ohne euch wären meine Sendungen nicht möglich gewesen. Ein besonderes Dankeschön geht an dieser Stelle vor allem aber an meinen Partner Walter Lehmann, der mich bei meinen Engagements immer unterstützt hat – auch wenn er dabei sehr oft zu kurz kam. Dank gebührt aber natürlich auch den Zuhörer*innen, die mir all die Jahre an den Empfangsgeräten treu waren.

Und versprochen: Ich werde mich (noch) nicht auf das Sofa zurückziehen, sondern mich weiterhin für uns Buchstaben‐Menschen einsetzen.

ich hoffe die sendungen bleiben erhalten!! es ist eine wichtige arbeit!! deshalb springe ich am nächsten Sonntag über meinen schatten und habe quasi ein öffentliches coming‐out!!

Hörerin Selma via WhatsApp