Die neue Kampagne der Aids‐Hilfe Schweiz

HIV: Gemeinsam für die Liebe und die Lust, gemeinsam gegen die Angst. HIV‐positive Menschen unter erfolgreicher Therapie stecken niemanden an, auch nicht beim Sex.

Die Kampagne

Immer wieder berichten HIV‐positive Menschen vom Unwissen und dem daraus resultierenden diskriminierenden Umgang, dem sie im Alltag begegnen. Dies passiert im beruflichen oder privaten Umfeld, aber auch im Kontakt mit Versicherungen, Spitälern oder Behörden. Die Aids‐Hilfe Schweiz lanciert deshalb zum Welt‐Aids‐Tag vom 1. Dezember eine neue Kampagne mit der Botschaft: «HIV‐positive Menschen mit unterdrückter Virenlast – das bedeutet, sie nehmen eine antiretrovirale Therapie ein und lassen sich regelmässig testen – geben das Virus nicht mehr weiter».

Das Engagement gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV‐positiven Menschen ist eine explizit formulierte Aufgabe im «Nationalen Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen» des Bundesamtes für Gesundheit. Die Kampagne hat aber auch einen präventiven Effekt, weil sie klar macht: Nicht Menschen mit einer HIV‐Diagnose sind Motor der Verbreitung von HIV, sondern diejenigen, die sich aus Angst vor dem Resultat nicht testen lassen. Der Abbau von Angst und Stigmatisierung erhöht dieTestmotivation – das hat die schon seit mehreren Jahren laufende #undetectable‐Kampagne gezeigt, die sich mit derselben Botschaft gezielt an schwule Männer richtet.

Die Kampagne ergänzt die Safer‐Sex‐Botschaften der Love‐Life‐Kampagne. Auf das Kondom verzichten sollten serodiskordante Paare (ein Partner ist HIV‐positiv) nur, wenn beide gut informiert sind und sich mit der gemeinsamen Entscheidung wohlfühlen. Bei flüchtigen sexuellen Begegnungen ist das schwieriger. Die Aids‐Hilfe Schweiz empfiehlt hier deshalb, Kondome zuverwenden.

Das Swiss Statement

2008 wurde die Erkenntnis der Nichtinfektiosität von HIV‐positiven Menschen unter erfolgreicher Therapie von der Eidgenössischen Kommission für Aids‐Fragen (EKAF) veröffentlicht. Das Statement wurde weltweit mit Freude und Erstaunen, aber auch mit Ablehnung zur Kenntnis genommen. Dabei war es, wie Professor Enos Bernasconi, Chefarzt des Regionalspitals Lugano, erklärt, «kein Kaffeesatzlesen, sondern beruhte auf wissenschaftlichen Daten». Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids‐Hilfe Schweiz, ergänzt: «Es ist höchste Zeit, dass sich ein aufgeklärtes Bild von HIV und HIV‐Patienten durchsetzt, das demaktuellen wissenschaftlichen Stand entspricht».

Heute ist die Faktenlage eindeutig. Für die sogenannten «PARTNER‐Studien» wurden in den letzten Jahren europaweit hetero‐ und homosexuelle serodiskordante Paare rekrutiert: Bei «PARTNER‐1» hatten 900 Paare über 58’000-mal Sex ohne Kondom, bei «PARTNER‐2» 800 ausschliesslich schwule Paare 77’000-mal Sex ohne Kondom. Das Resultat: Dabei wurde keine einzige HIV‐Übertragung registriert. WHO und UNAIDS haben deshalb reagiert und U=U (Undetectable = Untransmissable) in ihre Guidelines für Therapie und Prävention aufgenommen.