Petition fordert die Befreiung der katholischen Kirche von «Homo-Netzwerken»

«Sexueller Missbrauch entsteht nicht aus der sexuellen Orientierung, sondern aus der Gelegenheit.»

Der Countdown bis Weihnachten läuft: Ab heute darf auch noch die dritte von den vier Kerzen angezündet werden: Dritter Advent! Hier mein sonntäglicher Bericht von der Vorweihnachtsfront …

Der Detailhandel öffnet heute die Geschäfte und rüstet sich mit Rabatten für den Kampf gegen Amazon und Zalando – und wird dabei von Uniformierten unterstützt, die die akustische Kulisse dazu bieten und gleichzeitig Geldsammeln (geht jetzt auch online mit dem Handy). Und ich darf heute bei der Familie meines Partners Weihnachten feiern. Vier Generationen treffen sich, um einer geschmückten Tanne mit Liedern zu huldigen und Wichtelgeschenke auszutauschen. Und vor lauter Aufregung bin ich schon morgens um sieben wach und verbreite auf meinem Blog queeren Aktivismus zu einem meiner Lieblingsthemen – obschon ich mich persönlich längst als Atheist bezeichne.

Grad doch äusserst passend zur doch so friedlichen Adventszeit hat der Verein Pro Ecclesia die Petition «Die katholische Kirche von Homo-Netzwerken befreien!» lanciert. Die gesammelten Unterschriften sollen bereits im Januar in Rom überreicht werden und fordern, dass homosexuelle Männer nicht mehr zum Priesteramt zugelassen werden – und damit einen Teil zur «Wiedergutmachung der jüngsten Missbrauchsfälle» beizutragen.

Man sei «in grosser Sorge» um die katholische Kirche, zitiert die Luzerner Zeitung den Verein Pro Ecclesia. Das «unselige Verhalten» von homosexuellen Priestern komme allmählich an die Öffentlichkeit. 80 Prozent der Missbrauchsopfer seien männlich. Das zeige, dass die Homosexualität ein Problem darstelle.

«Ein Konstrukt, das gerade uns Schwule wohl ein Leben lang beschäftigt.»

Der Verein «Pro Ecclesia» ist nicht die erste Gruppierung, die einen Zusammenhang zwischen dem Missbrauch von Kindern und Homosexualität konstruiert – ein Konstrukt, das gerade uns Schwule wohl ein Leben lang beschäftigt.

Verschiedene Studien beweisen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gibt. Sexueller Missbrauch entsteht nicht aus der sexuellen Orientierung, sondern aus der Gelegenheit. Diesbezüglich sei das Verhalten auffällig gewordener Priester identisch mit dem Verhalten von Tätern in anderen Einrichtungen.

Auch wenn der irdische Chef der katholischen Kirche – auch Papst genannt – sich kritisch über Homosexuelle im Kirchendienst äussert und somit homophoben Vereinen und Personen in und rund um die katholische Schützenhilfe bietet, stossen diese Kräfte auch in der katholischen Kirche auf Widerstand. Die Luzerner Zeitung zitiert Martin Stewen, Priester der Diözese Chur: «Genau indieser Mischung von übelstem Konservatismus und unterdrückter Sexualität liegt die Motivation zu Machtdemonstration durch sexuelles Missbrauchsverhalten.» Pro Ecclesia fördere genau das, was der katholischen Kirche gerade eine ihrer schwersten Krisen bereitet.