Von Hochzeitstorten, Marsmenschen und Diskussionen mit dem ewig gleichen Muster

Ich habe es getan – und mir die Diskussionssendung «Club» vom Schweizer Fernsehen vom letzten Dienstag zum Thema «Voll schwul – was darf man noch sagen?» doch noch angeschaut. Auch diese Sendung lief nach gewohntem Muster ab: Damit auch nur ein bisschen Spannung aufkommt, werden Gäste eingeladen, die polarisieren.

Grund zur Diskussion zum Thema «was man noch sagen darf», war die vom Parlament beschlossene Erweiterung der Rassismus‐Strafnorm um das Kriterium «sexuelle Orientierung» und das Referendum dagegen, da jetzt die Meinungsfreiheit in Gefahr sei.

Im aktuellen «Club» hatten die «Polarisierungs‐Rolle» Philipp Tingler und Samuel Kullmann. Der schwule Tingler vertrat in der Diskussion die Meinung, dass die Erweiterung der Rassismus‐Strafnorm nicht nötig sei, fordert gleichzeitig aber für sich nicht nur Toleranz, sondern Akzeptanz. Und Kullmann von der EDU verteidigte das Referendum mit christlicher Werten und Hochzeitstorten. Im Weiteren durften mitdiskutieren Dominique Rinderknecht, die nicht nur in einer lesbischen Beziehung lebt, sondern auch noch ehemalige Miss Schweiz ist. Dann Daniel Jositsch, der als Professor für Strafrecht Seriosität in die Sendung bringen musste. Dann war da noch wer von der populistischen «Weltwoche» im Studio mit Namen – kleiner Moment, ich muss Google fragen – Rico Bandle. Den «Club» rockte JUSO‐Präsidentin Tamara Funicello mit ihrer einzigartigen Schlagfertigkeit. Tamara war es, die mir wirklich aus dem Herzen sprach und ich als meine Vertreterin empfand (da ja Menschen von unseren LGBT‐Dachverbänden zur Diskussion nicht eingeladen wurden).

Kurz zusammengefasst: Der «Club» war fürchterlich langweilig: Da wird unter der Leitung einer Moderatorin von Gästen über meine sexuelle Orientierung diskutiert – mit den immer gleichen Argumenten gegen oder für meine Homosexualität. Ich weiss, lieber Samuel Kullmann (tolle Frisur übrigens), du liebst mich als Menschen, hast nichts gegen mich persönlich. Aber meine Hochzeitstorte würdest du trotzdem wohl nicht backen …

Hass ist keine Meinung!

Hochzeitstorten haben offenbar im Zusammenhang mit dem Heiraten eine grosse Symbolkraft. Auch die gemeinnützige Stiftung «Zukunft CH», die besorgt um die Zukunft der Schweiz ist, mag Hochzeitstorten. «Zukunft CH» schreibt auf ihrer Website, dass die Erweiterung der Rassismus‐Strafnorm um den «schwammigen und schwer fassbaren Begriff der sexuellen Orientierung» kontraproduktiv wirke: «Erfahrungen aus anderen Staaten, in denen ähnliche Zensurgesetze bereits in Kraft sind, zeigen, dass mit absurden Klagewellen zu rechnen ist». Als Beispiele führt die Stiftung drei Beispiele auf: Da sind etwa die Bäcker, die sich aus Gewissensgründen weigern, eine Hochzeitstorte für ein gleichgeschlechtliches Paar zu backen, Werbeunternehmer, die sich aus Gewissensgründen weigern, bestimmte Druckaufträge von Seiten der LGBT‐Community entgegenzunehmen oder Hotelbesitzer, die sich aus Gewissensgründen weigern, ein Doppelzimmer an ein gleichgeschlechtliches Paar zu vermieten.

Ich habe mir einen kleinen Spass erlaubt. Ich markiere und kopiere den obenstehenden Satz mit den Beispielen und ersetze «ein gleichgeschlechtliches Paar» mit «Marsmenschen» und «LGBT‐Community» mit «Bevölkerung vom Mars».

Da sind etwa die Bäcker, die sich aus Gewissensgründen weigern, eine Hochzeitstorte für Marsmenschen zu backen, Werbeunternehmer, die sich aus Gewissensgründen weigern, bestimmte Druckaufträge von Seiten der Bevölkerung vom Mars entgegenzunehmen oder Hotelbesitzer, die sich aus Gewissensgründen weigern, ein Doppelzimmer an Marsmenschen zu vermieten.

Irgendwie macht es aber keinen Sinn, Menschen vom Mars keine Hochzeitstorte zu backen, ihnen kein Doppelzimmer zu vermieten und keine Druckaufträge vom Mars anzunehmen. Aber ich hätte ja den Spass mit «suchen und ersetzen» auch mit den Wörtern «Juden» oder «Moslems» machen können. Aber stimmt, jetzt hört der Spass definitiv auf!

Meinungen zu äussern und einen Standpunkt zu vertreten, steht jeder Person frei – solange sie die Freiheit und Würde einer anderen Person nicht beschneidet oder verletzt.