Von «Genderzeugs» und Socken in den Jeans

Es ist schon so, dass in Bern alles ein bisschen langsamer vorwärts geht! In Bern überlegen wir gut, wir Berner*innen wägen ab und machen Schritt für Schritt vorwärts. So haben beispielsweise auch die «Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern HAB» endlich bemerkt, dass der Vereinsname nicht mehr ganz so aktuell ist.

Es werden immer mehr Buchstaben. Die Einteilung in «da heterosexuell», «da homosexuell» und (vielleicht) dazwischen noch ein «bisschen bisexuell», reicht nicht mehr, um sexuelle Orientierungen einzuteilen. Zu den sexuellen Orientierungen gehören beispielsweise auch Asexualität und Objektsexualität. Und bei meinem Coming‐out in «prähistorischer» Zeit war meine grösste Sorge, dass ich in der Rekrutenschule die Handgranate «wie ein Meitschi» warf, meine Geschlechtsidentität als «richtiger Mann» wurde auch von mir angezweifelt. Bin ich als Schwuler ein «weibischer Mann»? Heute weiss ich, dass die Einteilung in nur gerade «Frau» und «Mann» falsch ist und die Geschlechtsidentität nichts mit den äusseren Geschlechtsmerkmalen zu tun hat.

Vor ein paar Tagen hat mir ein trans Mann erzählt, dass er sich über andere trans Männer nerve, die sich Socken (oder so) in die Jeans stecken würden. Ich grinste und gestand ihm, dass ich in meiner Jugend auch Socken in die Hose gesteckt habe, da sich bei meinen Kollegen «viel mehr» in den damals viel zu engen Jeans der frühen Siebziger abzeichnete. Ob meine Kollegen allerdings damals den gleichen Trick anwendeten, wagte ich nicht zu überprüfen (obschon ich davon träumte).

Hach!

Das Leben war schon damals kompliziert und auf Äusserlichkeiten fixiert. Habt ihr beispielsweise gewusst, dass das Sexsymbol der Fünfziger des letzten Jahrhunderts – Marilyn Monroe – heute für eine Karriere als Model viel «zu dick» wäre?

Aber ich weiche ab!

Stimmt am 22. Mai die Mitgliederversammlung also zu, werden sich die «Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern HAB» in Zukunft «hab queer bern» nennen (geschrieben in Kleinbuchstaben – sich selber «kleinmachen» ist auch so eine Bescheidenheit der Berner*innen). Mit der Namensänderung will der Berner Verein auch gegen aussen zeigen, was in den Statuten bereits steht: «Die HAB setzen sich dafür ein, dass LGBT+Menschen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt und ohne Angst leben können».

Und gleichzeitig verändert sich auch die äusserst wichtige Beratung der HAB und wird erweitert. So wird das Beratungsangebot des Checkpoint Bern – ein gemeinsames Angebot der Aids Hilfe Bern, dem Inselspital und hab queer bern – mit dem «T» erweitert.

Ursprünglich von Schwulen mitten in der fürchterlichen Aids‐Krise in den Achtzigern gegründet, entwickelt sich auch die Aids Hilfe Bern weiter. Es ist wichtig, dass es uns queeren Menschen gesundheitlich gut geht!

Eine gegensätzliche «Entwicklung» als die Aids Hilfe Bern macht offenbar die Fachstelle für Aids‐ und Sexualfragen in St. Gallen. Da wird der Serviceteil für trans Personen gelöscht und durch einen Text aus der «Schweiz am Sonntag» mit Titel «Schluss mit Sterilisation» ersetzt. Klar, ist die Umsetzung einer entsprechenden Resolution des Europarates in der Schweiz wichtig.

Aber …

Die Erfahrung, dass trans Menschen «unter uns» sind, machte offenbar die Fachstelle in St. Gallen am 27. März während der Veranstaltung «Transmenschen unter uns» im Kultur‐ und Freizeitzentrum Eichen in Schänis. Rückblickend schreibt die Fachstelle auf ihrer Website: «Wider aller Erwartungen stiess dieses Thema auf sehr grosse Resonanz». Warum aber entledigt sich die Fachstelle vom «T»?

Gut, sind wir Berner*innen nur langsam, leben aber nicht hinter dem Mond!

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