Sind die Comics von Ralf König rassistisch und transphob?

Vor vier Jahren wurde in Brüssel feierlich ein auf Initiative vom «RainbowHouse» – hier sind verschiedenste LGBTI-Organisationen zu Hause – entstandenes Wandbild von Ralf König eingeweiht. Im letzten Sommer wurde das Bild verschmiert. Vorwurf: Es sei rassistisch und transphob.

Unbekannte haben vor einem halben Jahr über der Darstellung einer Dragqueen die Worte «Transphobia» und über der Darstellung einer schwarzen, offenbar lesbischen Frau «Racism» gesprayt. Jetzt stellt sich das RainbowHouse hinter die Argumentation der Sprayer*innen und droht mit Übermalung.

Die Darstellung der schwarzen Figur mit den grossen Lippen habe «ihren Ursprung in rassistischen und kolonialistischen Bildern, in denen die Körpermerkmale schwarzer Menschen oft auf wenige oberflächliche Merkmale reduziert wurden». Und die Dragqueen werde wegen dem Bartschatten und der Körperbehaarung als trans Frau wahrgenommen und stehe «isoliert von der Gruppe und ist die einzige Person mit einer deprimierten Haltung». Ralf König wurde aufgefordert, beide Figuren zu überarbeiten und «in einer würdevollen und stolzen Art und Weise» darzustellen. Mache er dies nicht, werde ein anderer Künstler gebeten, ein Ersatzbild zu entwerfen.

Sogar das SVP-Revolverblatt «Weltwoche» schreibt über diese Geschichte: Das RainbowHouse solidarisiere sich nicht etwa mit dem Künstler, sondern stelle sich «auf die Seite der Vandalen». Besonders absurd, schreibt die «Weltwoche» weiter, seien die Vorwürfe «angesichts der Tatsache, dass wohl niemand in den letzten vierzig Jahren mehr für die Anerkennung der Schwulen getan hat als Ralf König».

Die Figuren auf seinem Wandbild in Brüssel seien Sympathieträger, schreibt Ralf König in seiner Antwort an das RainbowHouse – aber «natürlich mit Stereotypen, es sind Comics, Karikatur». Die schwarze Figur trage ihre Lippen als Zeichen von Stolz und Selbstbewusstsein extra rot geschminkt. Bei der anderen Figur handele es sich nicht um eine trans Frau, sondern um eine Trümmertunte: «Diese Figur ist das, was auf den Travestiebühnen der Welt zu sehen ist». Und das bewusste Unattraktivsein gehöre zum Spass dazu …

Im vergangenen August habe ich die Berner Stadträtin Tabea Rai und Henry Hohmann von Transgender Network Switzerland zu den Vorwürfen gegen Ralf König befragt. Sie finde Ralf König «recht cool» zitierte ich Tabea Rai. Auf meine Frage, ob sie das Wandbild als rassistisch empfinde, meinte sie: «Nein, Rassismus ist nicht das erste, was mir durch den Kopf geht». In ihrem Leben habe sie sehr viel Rassismus erlebt, sie sei diesbezüglich «viel gewohnt».

Auf meine Frage, ob das Wandbild transphob sei, antworte mir Henry Hohmann vor einem halben Jahr mit «keinesfalls». Es gehe bei Ralf König primär um Humor. Und Humor entstünde oft aus Überspitzung von Figuren und Stereotypen. Ralf König meine, ergänzte Henry Hohmann, mit der Figur auf dem Wandbild in Brüssel gewiss keine trans Frau.

Nach Angaben von Queer.de habe das RainbowHouse nun «etwas zurückgerudert»: Das Wandgemälde soll trotz der Weigerung des Künstlers, Veränderungen vorzunehmen, doch nicht übermalt werden. Als Zeichen der Kritik sollen allerdings die Protestaufschriften «Transphobia» und «Racism» bleiben. Ausserdem will das Zentrum ein Schild anbringen, auf dem es sich von den beiden Figuren distanziert.

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