More Color. More Pride?

New Pride Flag!

Unsere Community wird fast monatlich um einen Buchstaben reicher. Das finde ich «gut so»! Unsere Welt ist nämlich bunt – bunter als wir uns oft vorstellen können. Das Symbol unserer Community ist seit den 70ern die Regenbogenfahne. Braucht das Symbol unserer Vielfalt und unseres Stolzes nun auch mehr Farben?

Entworfen hat die Regenbogenfahne der 2017 verstorbene Künstler Gilbert Baker für den Gay Freedom Day 1978, dem Vorläufer späterer Gay Prides. Offenbar schwenkten aber bereits neun Jahre zuvor, beim Begräbnis von Judy Garland im Jahre 1969, einige Queers Regenbogenfahnen – als Anspielung auf ihr unvergessliches Lied «Over the Rainbow».

Ursprünglich bestand die Regenbogenfahne aus acht Farbstreifen. Für die Massenproduktion und den Verkauf seiner «Gay Flag» wandte sich Gilbert Baker an die in San Francisco ansässige Paramount Flag Company. Da das von Baker selbst gefärbte grelle Pink damals industriell nicht herstellbar war, musste sie allerdings auf sieben Streifen reduziert werden.

Pink: Sexualität
Rot: Leben
Orange: Gesundheit
Gelb: Sonnenlicht
Grün: Natur
Türkis: Kunst
Blau: Harmonie
Violett: Geist

Während dem Protest- und Trauermarsch zu Ehren des ermordeten schwulen Stadtrates Harvey Milk in New York im November 1979 beschloss das Komitee damals, auch den türkisfarbenen Streifen wegzulassen. Somit konnten die Farben gleichmässig entlang der Marschroute aufgeteilt werden: drei Farben auf jeder Strassenseite.

2017: Pride in Philadelphia.

Neue Farben?

In letzter Zeit tauchen immer wieder neue Designs mit weiteren Farben auf. Vor allem die Farben schwarz und braun würden fehlen. Eine so ergänzte Fahne stellte 2017 das «Philadelphia Office of LGBT» vor, die für eine Kampagne zur Bekämpfung von Rassismus in den Schwulenbars in der City von Philadelphia von einer Werbeagentur gestaltet wurde, vorgestellt. People of Colour sollten damit sichtbarer werden. Zudem könne der schwarze Streifen auch für Menschen, die mit der Stigmatisierung des HI-Virus leben oder an Aids verstorben sind, stehen.

2017: Pride in Bern.

Hinter der Idee von weiteren Farben steht immer der Wunsch, ein inklusives Symbol für unsere Buchstaben-Community zu schaffen und so die Aufmerksamkeit auf diejenigen zu lenken, die innerhalb unserer Community an den Rand gedrängt werden. Zwei Argumente gegen weitere Farben sind einerseits die historische Bedeutung der ursprünglichen Fahne und andererseits das Braun, das gerade in Europa eine unglückliche Assoziation zum Nationalsozialismus hat. So hatte ich etwas während der Pride in Bern im August 2017 ein Transparent der Jungen Grünen mit der Aufschrift «brown is no colour of rainbow» entdeckt.

Kann eine Bewegung wirklich Veränderungen bewirken, ohne die Stimmen derer zu berücksichtigen, die sie unterstützen will? Diese Frage habe die Konzeptkünstlerin Julia Feliz und der Grafikdesigner Hayley Brown mit einem klaren Nein beantwortet und die «New Pride Flag» entworfen. Diese Fahne soll den Beginn der Pride-Bewegung in den USA, die von trans Menschen und People of Colour – beispielsweise von Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera – angeführt wurde, unterstreichen. Die «New Pride Flag» macht aber auch People of Colour und Indigene sichtbar, die unverhältnismässig unter transphoben Angriffen leiden müssen.