Ausgangslage: «Homosexualität hat in der Gemeindeleitung keinen Platz.»

Max ist auf der Suche nach der Wahrheit, nach Zusammengehörigkeit, nach Annahme. Diese Annahme und Liebe, die er sucht, kann er bei Gott finden. Das Evangelium steht genau für ihn/für uns alle bereit. Um die Gnade am Kreuz zu erfahren, müssen wir aber wissen, wer Gott ist und wer wir sind. … Seine Neigung/sein Verlangen zu anderen Männern ist ein Ausdruck für ein Herz, das in erster Linie an eine Neigung vergeben ist, die nicht Gottes Willen entspricht. … Er stellt sich selber und seine Schwäche (bewusst?) an erste Stelle. Genauso wie Habgier, Zorn, Eitelkeit, Faulheit, Lüge, Tratsch, Wut, Selbstsucht etc. auch solche Schwächen sein können.

Diese ungeheuerlichen Worte schrieb Chantal Lanz per Mail an zwei Mitglieder des Kirchgemeinderats von Melchnau. Max Blum – verschiedene Zeitungen nenne ihn so, ich deshalb auch (mir ist der richtige Name bekannt) – wird trotzdem in den Kirchgemeinderat gewählt – und da aufs gröbste gemobbt.

Im Juni informiert hab queer bern mit einer Medienmitteilung, die allerdings wenig Beachtung findet, über den Mobbingfall. Vor einer Woche hat die Berner Zeitung «Bund» den Fall aufgenommen und mit Max Blum gesprochen. Im Artikel wird auch Andreas Zeller, Synodalratspräsident der Reformierten Kirche Bern Jura Solothurn zitiert: «Er wird wegen seiner Homosexualität diskriminiert. Das ist gegen die Haltung der Landeskirche.»

Wie aus dem «Bund»-Artikel klar hervorgeht, hat die Redaktion der Zeitung sowohl die Kirchgemeinderäte als auch die Präsidentin des Kirchgemeinderates – eben Chantal Lanz – um eine Stellungnahme gebeten, aber keine Antworten erhalten.

Verschiedenste Medien nahmen in der letzten Woche die Geschichte von Max auf – auch das Mannschaft Magazin. Hier reagiert Chantal knapp, die Artikel in den Zeitungen entspreche nicht den Tatsachen.

Haben uns nicht schuldig gemacht!

Am Freitagnachmittag erreichen dann «ausgewählte Medien» eine Medienmitteilung des Kirchgemeinderats Melchnau, die mir zugespielt wurde. «Wir haben uns im Kirchgemeinderat Melchnau der genannten Vorwürfe nicht schuldig gemacht», steht da im ersten Satz. Max Blum habe sich um Frau Lanz ein «Feindbild geschaffen und kultiviert», welches so nicht existiere, steht etwas weiter unten. Max Blum und Chantal Lanz würden betreffend Homosexualität und Kirche nicht die gleiche Haltung teilen, «dennoch kam es nie zu Diskriminierungen oder ähnlichem von Seiten Frau Lanz oder dem Kirchgemeinderat».

Bei Max ist es unsere Aufgabe, ihn sorgfältig und behutsam an die Wahrheit heranzuführen, gute Seelsorge ist da viel wichtiger, als eine Aufgabe im Kirchgemeinderat. … Wir machen uns schuldig, wenn wir ihm nicht die Wahrheit sagen und seine Schwäche gutheissen.

Die Sätze aus dem bereits eingangs erwähnten Mail wirken wie ein Hohn. Seine Liebe zu einem anderen Menschen wird ihm als «Schwäche» vorgeworfen. Und Chantal Lanz ist sich sicher, dass «wir für alles geradestehen müssen». Und dann werde, «die Frage sein, warum hat ihr ihm nicht vom Evangelium erzählt, ihm geholfen frei zu werden?».

Chantal Lanz «glaubt» offenbar, dass homosexuelle Menschen zwar nicht ausgegrenzt werden dürfen, aber eine Beziehung «nach Gottes Vorstellung» aber für sie nicht möglich sei. Sie reiht Homosexualität in die Kategorie «Sünde» ein. Deshalb hat sie Max aus ihrer Sicht auch nicht diskriminiert, sie will ihn retten …

In der «Rechtfertigung» der Kirchgemeinde Melchnau an die Medien werden Max Blum Überforderung als Amtsträger, respektloses Verhalten, Drohungen und masslose Belästigungen gegenüber anderen Ratsmitgliedern vorgeworfen. Hand aufs Herz: Würde mensch mir versuchen einzutrichtern, ich sei ein «Sünder», meine Lebensform nicht «gottgewollt», mensch müsse mir helfen, davon «frei» zu werden, würde auch ich mich händeringend dagegen wehren. Ich bin in Ordnung, ich bin nicht krank – und auch Max nicht!

Es geht Chantal Lanz längst nicht mehr um Max Blum. Es geht einzig um sie und ihre «Rettung», wenn sie dann mal für ihre Taten geradestehen muss. Sie wird heute in der Kirche laut beten müssen …