Über das «homosexuelle Klima» im Bistum Freiburg

In der Kathedrale in Freiburg wird eine Gedenktafel für die Missbrauchsopfer der römisch-katholischen Kirche eingeweiht.

Heute haben die Tamedia-Blätter spannendes aus dem Bistum Freiburg veröffentlicht. Von einer Fehde wird berichtet und informiert darüber sind «alle massgebenden Instanzen». Dabei laufen doch erst Voruntersuchungen …

Ende Oktober hat ein Westschweizer Pfarrer die «besagten Instanzen» mit einem 14-seitigen Rapport informiert. Darin schildert er, wie er sich «von 2008 bis 2011 im Pfarrhaus von Vevey durch ein homoerotisches Klima unter Druck gesetzt fühlte». Wie die Tamedia-Zeitungen schreiben, wurde der aus ­Afrika stammende Seminarist, Diakon und Priester «von zwei Geistlichen bedrängt, vor allem vom leitenden Pfarrer Paul Frochaux». Er sei auch Zeuge von verschiedenen Beziehungen des Pfarrers geworden sein, «etwa zu einem drogensüchtigen Burschen, der monatelang im Pfarrhaus wohnte, oder zu Seminaristen, also zu Personen in abhängiger Stellung», wie die Zeitungen berichten.

«Auch Priester hätten den Pfarrer besucht, besonders oft Alain de Raemy, damals Kaplan der Schweizergarde in Rom. Die beiden hätten sich häufig nach Torgon im Kanton Wallis zurückgezogen, wo sie während vieler Jahre gemeinsam ein Chalet besassen.»

Natürlich weist Pfarrer Frochaux alle Vorwürfe als «völlig falsch» zurück, solche Beziehungen habe es nicht gegeben – höchstens mal eine Umarmung. «Im Walliser Chalet habe er mit Alain de Raemy völlig normal zusammengelebt», zitieren ihn die Zeitungen.

Völlig normal?

Ich komme über die Aussage «völlig normal zusammengelebt» ins Grübeln. Ist es nicht völlig normal, dass zwei sich liebende Menschen zusammenleben? Ist es nicht völlig normal, dass sich auch zwei Männer gerne haben können? Und wie leben eigentlich zwei römisch-katholische Kirchenmänner «völlig normal» zusammen? Allerdings ist es definitiv nicht normal, wenn Kirchenmänner Minderjährige missbrauchen. Letztendlich hat offenbar die römisch-katholische Kirche immer wieder und immer noch die Tendenz, Pädophilie und Homosexualität in den gleichen Topf zu schmeissen.

Charles Morerod, Bischof der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg, nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe – getreu den neuen Richtlinien der Bischofskonferenz – die Polizei eingeschaltet. Am 23. November dieses Jahres hat Morerod übrigens die Teilnehmenden des ersten Gedenktages für die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche feierlich begrüsst. An diesem Tag wurde in der Kathedrale in Freiburg auch ein Denkmal für die Missbrauchsopfer eingeweiht.

Und im August 2017 sagte der gleich Bischof in einem Interview mit der NZZ auf die Frage, ob man Homosexualität nicht leben dürfe: «Einige Homosexuelle haben mir gesagt: ‹Sie tolerieren mich zwar, aber Sie hätten es lieber, wenn Leute wie ich nicht existieren würden›. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich kann niemandem sagen, er würde besser nicht existieren. Was können wir also tun, damit alle das Evangelium als gute Nachricht erkennen? Ich habe Theologen gesagt: Das muss man besser studieren.»

Jacques Nuoffer, Präsident der Opfervereinigung «Groupe Sapec», bemängelt im Bericht der Tamedia-Zeitungen, dass die Kirche zu wenig Gewicht lege auf eine sorgfältige Auswahl und Schulung der Priester lege: «Sie wolle das homosexuelle Klima in den Priesterseminaren nicht wahrhaben».