Es kommt gut!

Gestern noch habe ich erzählt, dass ich bereits für die Abstimmungen zum Partnerschaftsgesetz 2005 und die CVP-Eheinitiative 2016 in der Stadt Bern Flyer verteilt hätte und ich jetzt beim Flyer verteilen für die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm bedeutend weniger dumme Sprüche hätte anhören müssen. Heute Morgen früh haben wir nochmals Flyer verteilt und ich muss diese Aussage leider etwas korrigieren.

Die Frage, ob es eigentlich auch einen Schutz vor Linken und Grünen für Andersdenke gebe, war recht harmlos. Die Bemerkung, man müsse uns alle «auslöschen» war da schon heftiger. Ob es an mir liegt, dass ich heute Morgen nach der Flyer-Aktion ein mieses Gefühl hatte? Vielleicht liegt dieses miese Laune auch daran, dass ich nun noch bis Sonntag unendlich lange warten muss, bis ich erfahre, was die Mehrheit der Schweizer*innen über die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm denkt. Einmal mehr fühle mich der heteronormativen Mehrheit ausgesetzt – dabei will ich doch eigentlich keine Sonderrechte, sondern nur die gleichen Rechte.

Am 1. Februar machte «20 Minuten» ein Experiment mit versteckter Kamera. «So reagieren Passanten auf Schwule und Lesben» war der Artikel überschrieben.

Kurz nach 22 Uhr geht es los. Devin und Loris blicken sich nervös an, geben sich die Hand und laufen los. Mit einer versteckten Kamera folgen wir ihnen. Keine 50 Meter weiter erblicken Devin und Loris rund sieben junge Männer. «Oh Mann», entfährt es Loris. «Das ist nicht gut.» Die beiden versuchen sich an der Gruppe vorbeizuschlängeln, doch wie auf Kommando heften sich diese an ihre Fersen. «Schwuchteln», sagt einer von ihnen. …

Ich schrieb wütend und aus dem Bauch heraus als Kommentar zum Artikel:

Solange wir nett sind und uns anpassen bekommen wir Almosen. Ein bisschen mehr Rechte hier und da … Und trotzdem müssen wir uns noch immer überlegen, wo wir Händchen halten wollen und wo wir das lieber sein lassen sollten! Sich unsichtbar machen lernen wir irgendwie gleichzeitig mit dem Coming-out …

#wirsindfamilie

Was aber während diesen Wochen im Abstimmungskampf genial war: Unsere Community funktionierte einmal mehr wie eine Familie. Seite an Seite verteilten wir Flyer, diskutierten mit Passant*innen und markierten stolz und selbstverständlich Präsenz. Wir sind da! Wir sind nicht wenige!

Auch heute Morgen auf dem Berner Bahnhofplatz! Mittendrin auch Max Krieg, der sich auch an seinem 74. Geburtstag frühmorgens um 7 Uhr bei verdammt kalten Temperaturen für unsere Sache einsetzte – statt sich zu Hause im warmen Bettchen nochmals zu drehen und auszuschlafen! Happy Birthday, lieber Max und danke für deinen unermüdlichen Einsatz.