«Lasst uns diese groteske Familie in Brand setzten!»

Was für eine «nette» Tradition in der kroatischen Stadt Imotski während dem Karneval: Bei Umzügen wird oft eine Art «Übel des Jahres», beispielsweise ein ungeliebter Politiker aus Pappe, durch die Strassen getragen und dann verbrannt. In diesem Jahr war das «Übel» ein küssendes Männerpaar, das ein Kind trug. «Mein Kopf dreht sich angesichts dieser Kultur des Todes», hiess es bei der Zeremonie. «Lasst uns diese groteske Familie … in Brand setzen. Spielt Musik.» Die Menge, zu der auch kleine Kinder in Kostümen gehörten, jubelte und tanzte zur Musik.

Ein queeres Portal aus Kroatien bezeichnete den Karnevalsumzug als «kranke Parade der Gewalt». Und kroatische LGBT-Organisationen prüfen eine Strafanzeige wegen öffentlicher Anstiftung zu Gewalt und Hass. Die Organisatoren des Karnevals kommentierten unterdessen die symbolische Verbrennung des schwulen Paares mit Kind: «Wir bleiben konservativ, wir halten an der Tradition fest. Gibt deiner Mutter ein Baby, wie das Sprichwort sagt». Die Menschen in Kroatien würden konservativ bleiben und an der Tradition festhalten.

Zeitgleich mit dem Verbrennen der Pappfiguren wurden in Kroatien die Ergebnisse einer Umfrage bekannt. Danach sind in Kroatien knapp 64 Prozent der Bevölkerung dagegen, Pflegekinder in Regenbogenfamilien zu geben. Dabei hatte vor zwei Wochen das kroatische Verfassungsgericht entschieden, dass homosexuelle Paare Pflegeeltern werden können.

Offiziell verbietet Kroatien Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität und gleichgeschlechtliche Paare können ihre Lebenspartnerschaften eintragen. Die gleichgeschlechtliche «Ehe für alle» wurde aber 2013 durch ein Verfassungsreferendum verboten. 66 Prozent der Stimmberechtigten unterstützten damals nach einer intensiven Lobbykampagne, die von der katholischen Kirche unterstützt wurde, das Referendum.

Vor zwei Jahren war das «Übel des Jahres» in der Stadt Imotski eine Plakatwand, die ein Bilderbuch über Regenbogenfamilien darstellte. Auf dem mit einer Regenbogenflagge bemalten Plakat waren die Schriftzüge «Mutter und Mutter» und «Vater und Vater» und «Kinderbuch» zu lesen. Das Plakat wurde unter dem Gaudi der «Fasnächtler» ebenfalls verbrannt.