«So bin ich geboren»

Ich bin Hans und ich bewundere den Mut von Curdin Orlik. Er hat als erster Schwinger ein öffentliches Coming-out gewagt. «Viel zu lange habe ich verdrängt, wer ich wirklich bin», wird er von den Medien zitiert.

Seine Geschichte – erzählt im «Magazin» der Berner Zeitung – hat mir grossen Eindruck gemacht. Ebenfalls beeindruckt hat mich im Artikel aber auch die Aussage des Psychologen Hannes Rudolph. «Entweder werfen die Leute dir vor, du würdest dich verstecken. Oder es heisst, du willst deine Sexualität breittreten.» Genau diesen Zwiespalt spüre ich in mir. Ich will mich nicht verstecken. Aber so wichtig ist aber doch meine Sexualität doch auch nicht. Oder nicht?

Curdin Orlik sagt im Artikel, dass er «so» geboren sei. Auch ich bin «so» geboren. Nur frage ich mich, ob es wirklich Freiheit bedeutet, mit wehenden Regenbogenfahnen durch die Strassen zu marschieren. Ich will doch nur normal sein und auch so gesehen werden – auch in der sogenannten Community.

Ich bin überzeugt, dass wir schwulen Männer von der Mehrheit der Gesellschaft noch immer nicht als «richtige» Männer gesehen werden. Oder warum bemerkt der Journalist der Berner Zeitung im Interview mit dem Co-Präsidenten von Pink Cross: «Und ausgerechnet dieser Brocken eines Mannes gibt nun bekannt ‹Ich bin schwul›»?

Ich hoffe mit Curdin Orlik, dass er auch noch in einem Jahr als grossartiger Schwinger gefeiert wird, denn von jetzt an wird er sich immer doppelt beweisen müssen. Ich bin überzeugt, dass er es in dieser bodenständigen Umgebung schwer haben wird, da in dieser bäuerlichen Umgebung Homosexualität nicht existent ist, da höchstens hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wird.

Und noch die Sache mit der Familie …

Gucke ich auf Facebook, wird über das Coming-out von Curdin Orlik überall gejubelt. «Herzlich willkommen in der Community», schreibt beispielsweise unser schwuler Dachverband. War Curdin vor seinem Coming-out nicht Teil dieser Community? Gehören nur geoutete Schwule zur Community?

Dabei rühmt sich doch diese Community immer und immer wieder, dass «wir Familie» sind. Welche Community – die LGBTIQ-Community oder die Schwinger-Community – letztendlich die «wahre Familie» für Curdin sein wird, werden wir vielleicht nie erfahren. Eines ist aber klar, und darum beneide ich ihn, seine biologische Familie steht hinter ihm.

Euer Hans H.

One Reply to “«So bin ich geboren»”

  1. Ach Hans H., Du Fiktionär, mit deinem heutigen Erguss hast du dich ganz gehörig verrannt! Was nützen Dir und uns diese, deine künstliche, Aufregung um ein “goldiges Nichts“?

    In was für einem Zwiespalt steckst du denn, wenn du deine Sexualität nicht ständig breittreten willst?

    Lebe, Alles andere und alle Anderen können Dir doch egal sein, da ja doch kein Mensch dir je das Wasser wird reichen können!

    Ich mag am Fest der Jodler und Fahnenschwinger nur mit der Berner oder der SchweizerFahne auftreten und an der Pride nur mit der Regenbogenfahne. Was ist daran verkehrt? Was stört dich da? Jedes Ding hat seine Zeit, das Geboren werden, das Fahnen schwingen, das Sterben!

    Auf welcher Grundlage beruht dein Wissen, dass in der “ …. bäuerlichen Umgebung Homosexualität nicht existent ist, ….“? Was für eine vorurteilsbeladene Kunsttucke bist du eigentlich? Kündigst du bei der Fahrt im Auto auch an, dass du am Rotlicht halten wirst oder hälst du einfach an? Muss es vor jeder Handlung wirklich eine Rede geben?

    Dein Aufheben um die “Sache mit der Familie …“ verstehe ich auch nicht! Meinst du wirklich, nur in einer einzigen Familie glücklich werden zu können? Curdin war schon lange vor seinem schreierischen Coming-out als schwuler Schwinger, Mitglied von diversen Communitys! Müssen diese Communities in denen du Mitglied bist oder sein willst wirklich immer alle ausgedeutscht werden oder kannst du als Mensch auch einfach Community leben? Natürlich leben auch schwule Vereine von Mitgliederbeiträgen und aktiver Mitarbeit. Warum sollte es beim schwulen Dachverband und anderen LGBTIQ-Vereinen anders sein als wie bei den Alphornbläsern?

    In diesem Sinne wünsche ich dir ein glückliches Leben in deinen Communities, welche auch immer dies sind. Auch Klemmschwestern leben in einer eigenen Community!

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