Verflixt! Brauche ich jetzt Netflix?

Oder WC-Papier? Ich habe nur noch 22 Rollen in meinem Notvorrat. Und eigentlich hätte ich heute etwas länger schlafen können. Doch dieses Drecksvirus beschäftigt mich doch mehr, als ich zugeben werde!

Ich habe es befürchtet und jetzt ist soweit. Ich werde an meinem Arbeitsplatz nur noch «kurz» benötigt und zähle zu Hause meinen Vorrat an WC-Papier durch. Tristesse!

Ich brauche Netflix nicht. Und mein Vorrat an WC-Papier reicht – habe das soeben kurz überschlagen – für mindestens 44 Tage. Ich muss also auch kein WC-Papier besorgen. Deshalb mache ich das, was ich gerne mache. Ich schreibe einen Beitrag für meinen Blog.

Über «schwule Schokolade» und das «schwule Gen»

Als Queer*Aktivist brauche ich meine tägliche Dosis Entrüstung über die normative Welt. Nach fünf Minuten googeln werde ich auch in Pandemie-Zeiten bereits fündig. «Swiss botet Pralinenhersteller Läderach aus – weil sich dessen Chef als Christ für Lebensschutz engagiert» schreibt die deutsche Publizistin Birgit Kelle in der «Schweizerzeit» vom 13. März. Sie sei im Sommer mit Swiss geflogen und habe feststellen müssen, dass es im angebotenen Unterhaltungsprogramm eine Kategorie «Pride» gebe. Dass der «schwule Film» eine eigene Schublade brauche, habe sie irritiert. «Sind das nicht diese LGBT-Trans-Irgendwas Leute, die ständig erklären, nicht anders zu sein als jeder Durchschnitts-Hetero?». Das viel gesuchte «schwule Gen» sei noch nicht gefunden, «wobei die auffällig hohe Frequenz homosexueller Flugbegleiter bei allen Airlines weltweit mal eine eigene Untersuchung wert wäre».

Ich habe gar nicht gewusst, dass auf den Namensschildern der Cabin Crew Member die sexuelle Orientierung steht. Aber dies nur als Randbemerkung, denn Frau Kelle trägt in der «Schweizerzeit» noch dicker auf. Sie ist sich sicher, dass Swiss einen Lieferanten «für garantiert schwule Schokolade» finden werde: «Jemand sollte den aufgeregten Homoaktivisten allerdings erklären, dass sie dankbar sein sollten, dass sich Menschen gegen Abtreibung einsetzen». Sollte nämlich das «schwule Gen» doch noch gefunden werden, seien wir dann die «einzigen, die noch dafür auf die Strasse gehen».

Oder in umgekehrter Logik: Sollte das «schwule Gen» also tatsächlich entdeckt werden, finden offenbar plötzlich sogar auch Abtreibungsgegner*innen einen Abtreibungsgrund.