ALLIAGE – der Verein für LGBTIQ-Menschen mit Behinderung

Der Verein ALLIAGE auf Facebook.

Manchmal lohnt sich der Blick über den Röstigraben. Dieser Blick hat die Zeitschrift SozialAktuell vom Berufsverband Soziale Arbeit Schweiz gewagt und in der aktuellen Ausgabe Carlos Correvon und dessen Verein ALLIAGE vorgestellt. Der im Juni 2016 gegründete Verein will LGBTIQ-Menschen mit Behinderung eine Stimme geben.

Carlos ist um die dreissig und wohnt in Lausanne in einer Einrichtung, die Erwachsene mit geistigen Beeinträchtigungen in ihrem Alltag begleiten und betreuen. Für Menschen mit Behinderungen ist es oft nicht einfach, über Sexualität zu sprechen – vor allem auch, wenn sie queer sind.

Auf die Frage, woher die Idee kam, einen Verein zu gründen, antwortet Carlos gegen über SozialAktuell: «Als ich eines Abends mit einem der Mitarbeiter meiner Einrichtung über Politik diskutierte, platzte aus mir die Idee heraus, einen LGBTIQ-Verein für Menschen mit Behinderungen zu gründen». Ein erster Schritt war die Teilnahme an der Gay Pride in Freiburg, bei der rund zehn Leute mit Spruchbändern mitmarschierten.

Das Ziel des Vereins sei es, gemeinsame Aktivitäten zu organisieren. So sind Ausflüge, Treffen und Gesprächsgruppen geplant. Aber das alle brauche Zeit, erklärt Carlos. «Wir müssen erst ein bisschen bekannter werden und den Leuten erklären, was wir eigentlich machen.» Auch müsse die Bevölkerung offener gegenüber dem Thema «Behinderung und LGBTIQ» werden. «Wichtig ist uns auch, eine Art Anlaufstelle für die betroffenen Personen und deren Eltern zu sein.»

Ob es bei der Gründung des Vereins Schwierigkeiten gab? «Ein paar», antwortet Carlos. «Am Anfang waren viele Leute skeptisch, da das Thema immer noch tabu ist.» Geholfen habe aber dann vor allem VoGay, die Vereinigung für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Lausanne. «Der Verein stellt uns seine Infrastruktur zur Verfügung.» Auch ist ALLIAGE auf der Website von VoGay zu finden. «Das ist wirklich hilfreich, weil VoGay im Gegensatz zu uns bereits sehr bekannt ist.»

Was will ALLIAGE in naher Zukunft erreichen? «Es wäre toll, wenn sich uns mehr Leute anschliessen und die Institutionen mit uns Kontakt aufnehmen würden», erklärt Carlos im Interview. «Schön wäre auch, wenn wir mehr Mittel hätten und die betroffenen Personen offen und direkt auf uns zukommen würden.» Wichtig sei aber jetzt, nicht lockerzulassen. «Es muss uns gelingen, mehr Betroffene zu motivieren, mit uns über ihre Erfahrungen und Situation zu sprechen. Wir werden tun, was notwendig ist, damit immer mehr Menschen den Mut haben, sich zu Wort zu melden.»

Entsprechend ist die Vision des Vereins ALLIAGE klar – nämlich die Anerkennung von LGBTIQ-Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft. Der Weg dahin sei aber noch weit.